Kochrezepte

Nudelsuppe à la Ella und Hulda Faas

Ella Faas (verh. Martin Schimke) wohnte bis zu ihrem Tod in Salzgitter-Lebenstedt, wo sie lange Zeit einen Schrebergarten besaß. 
Immer, wenn wir unsere Verwandtschaft in der DDR besuchten, sind wir auf dem Heimweg bei Ella zum Mittagessen gewesen. Wenn sie uns fragte, was sie uns denn kochen sollte, dann antworteten wir: „Deine wunderbare Nudelsuppe mit Rindfleisch - was denn sonst!?“ :)

Ellas Nudelsuppe war besonders schmackhaft durch das viele frisch geerntete Suppengemüse. Der große Topf war immer randvoll mit Grünzeug aller Art, u.a. Sellerie mit Selleriegrün, Lauch, Petersilie, Liebstöckel... 
Als Gewürzdosis hatten Ella und Hulda Lorbeerblatt, Pfeffer- und Pimentkörner, aber niemals Nelken verwendet. Nelken waren uns damals unbekannt.

Ella und Hulda haben die Nudeleinlage von Hand gemacht. 
Der Nudelteig wurde auf einem großen Küchentisch mit dem Nudelholz sehr dünn ausgewalzt, dann zu einer platten Rolle zusammengefaltet. Der Teig ruhte ein wenig und trocknete. Dann wurden mit einem scharfen Messer schmale Ringe abgeschnitten. 
Die Nudeln wurden mit den Fingern aufgelockert, sodass sich die Teigfäden einzeln entfalten konnten. In kochendem Salzwasser waren sie in 1-2 Minuten gar und sofort servierfertig.

Mit hausgemachter Nudelsuppe verbinden wir schöne Kindheitserinnerungen und kleine Familientreffen. Diese Suppe ist Nostalgie pur, denn man bekommt sie in keinem Lokal. Das ist das erdverbundene „Daheim“-Gefühl. 

Ella freute sich immer, uns zu bekochen. Zum Kaffee aßen wir selbstgebackenen Kuchen, erzählten viel von Bessarabien und schauten alte Fotos an. Daher weiß Trude Biffart (verh. Johann Pustal) noch heute sehr viel von Bessarabien zu erzählen und hatte alte Fotos, soweit es ihr möglich war, gerettet oder aus der Verwandtschaft zusammengetragen.

Hulda Faas bekochte uns (Trude und Sieglinde Biffart mit Familie) immer sonntags, daher kennen wir viele bessarabische Gerichte.

Zur Nudelsuppe mit Rindfleisch haben sowohl Ella als auch Hulda immer Bratkartoffeln gereicht. 
In den alten gusseisernen Pfannen brieten die zuvor rohen Kartoffelscheiben innen zart und außen kross, was leider heutzutage mit dem modernen Bratgeschirr bzw. den EU-genormten Kartoffelsorten nicht mehr so recht zu klappen scheint. Auch sind die handelsüblichen Möhrensorten mittlerweile viel zu süß gezüchtet, sie eignen sich kaum noch für eine Rinderbrühe. 

Eine Pfälzer Bäuerin sagte uns, dass wir besser die ursprünglichen Pfälzer gelben Rüben (gelbe Karotten) als Suppengemüse verwenden sollten, da sie geschmacklich herber sind.

Zur Nudelsuppe und den Bratkartoffeln wurde ein Teil des zerkochten Suppengemüses (Sellerie, Petersilienwurzel und Möhren) mit einer Gabel zerdrückt mit Salz, Pfeffer und einem Schuss Weinessig gewürzt. Diese Paste gab es neben den Bratkartoffeln und Brot noch als Beilage. 
Das Rindfleisch wurde ebenfalls mit Salz, Pfeffer oder Meerrettich als Beilage gegessen.
Ja, unsere Lebensmittel haben wir so weit wie möglich verwertet und nicht einfach weggeworfen.

Natürlich war Huldas selbstgemachte HÜHNERSUPPE ebenso fein. 
Hulda hatte von ihrem Pfälzer Geflügelbauern oft ein junges Suppenhuhn gekauft, eines, das nur 1 Stunde zu kochen brauchte. Das saftige Fleisch ist besonders schön für Hühnerfrikassee mit Pfälzer Spargel.

Zutaten

800 g
Rindfleisch (Tafelspitz, Bürgermeisterstück, Hochrippe, Wadenfleisch, Schulter od. Bugblatt)
3
Rinderknochen
1
Suppengemüse (Sellerie (mit Grün), Lauch, Zwiebeln, Petersilienwurzel (mit Grün), Möhren, Liebstöckel)
2
Lorbeerblätter
4
Pfefferkörner
2
Pimentkörner
1 Prise
Salz

Zubereitung

Anzahl Portionen:6
Zubereitungszeit:ca. 180 Minuten

Suppengemüse putzen und waschen, grob zerkleinern.
Fleisch und Knochen unter fließendem Wasser waschen.
Gemüse, Fleisch und Knochen zusammen mit den Gewürzen in einen Suppentopf geben, mit kaltem Wasser auffüllen, auf niedriger Stufe langsam zum Kochen bringen (ca. 0,5h). 

Die Brühe 2 Stunden lang köcheln lassen. Sud abseihen. 
Separat gekochte Nudeln portionsweise in Teller geben, mit heißer Rinderbrühe auffüllen.

Mit frisch gehacktem Petersiliengrün bestreuen.

Published by Christine Doris Schmidt